Liebe
Freundinnen und Freunde der Daumenkinographie,
unten finden Sie die
Termine der nächsten Daumenkino-Abende. Bitte
fühlen Sie sich sehr herzlich eingeladen!
Samstag,
28. Februar,
19 Uhr,
Wesenberg
Brennwerk
Wer
möchte, kann
sich in der
ARD Audiothek
ein Gespräch mit mir anhören, das im November
2025 auf BR2
lief. Wer
lieber
laufende
Bilder sehen
möchte, könnte
sich einen
vierminütigen
Beitrag ansehen, der im Februar
2026 im NDR zu
sehen war.
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IN
MEMORIAM BERNHARD MARSCH (1962 - 2025)
Mitte der 90er Jahre lernte
ich meinen Freund Bernhard kennen. Er war
Cineast mit jeder Faser seines Körpers,
Kurzfilmmacher, Filmclubbetreiber und das, was
man einen Lebenskünstler nennt. Außerdem war er
ein Bewahrer und Sammler von Alltagsdingen, die
anderen unnütz erschienen, für ihn aber durch
die Geschichten, die sie in sich trugen, voller
Bedeutung waren. Er bewohnte zwei übervolle,
gegenüberliegende Wohnungen im ersten Stockwerk
eines Altbaus in Köln-Ehrenfeld. Ein Zimmer, das
er untervermietete, war gerade frei geworden und
ich zog bei ihm ein - zumindest dann, wenn ich
gerade nicht in Berlin war. Ich genoss es
sehr, in meiner Heimat, die ich zwei Jahre
zuvor verlassen hatte, um in Babelsberg Film zu
studieren, an der Seite von Bernhard ein
gänzlich neues und unerwartetes Leben zu führen.
Kurz bevor er wegen einer vorgeschobenen
Eigenbedarfskündigung aus seinen Wohnungen
ausziehen musste, fotografierte ich ihn. Das
Daumenkino heißt Mann in seiner Küche (Köln
2001).
Bernhard fand auf der anderen Rheinseite in
einem ebenfalls unsanierten Altbau mit
Kohlenofen und Toilette auf dem Gang eine neue
Bleibe. Kurz nach seinem Auszug kehrte er noch
einmal zu dem Haus zurück, in dem er die letzten
18 Jahre seines Lebens verbracht hatte. Er
entdeckte, dass eine seiner beiden Wohnungstüren
im Zuge der Renovierung im Container gelandet
war. Bernhard hatte das Bedürfnis, sie vor der
Zerstörung zu bewahren und nahm sie kurzerhand
mit. Aber nicht nur die Dinge, mit denen er sich
umgab, wurden im Laufe der Jahre mehr, sondern
auch die Anzahl seiner Wohnungen. Als ihm gut
anderthalb Jahrzehnte später erneut gekündigt
wurde, war er Mieter von vier Wohnungen mit
insgesamt 12 Zimmern und sieben Kellern, die
sich allesamt in ein und demselben Haus
befanden. Wenige Wochen vor seinem Auszug und
gut 18 Jahre nachdem ich ihn für das erste
Daumenkino fotografiert hatte, fotografierte ich
ihn erneut. Das zweite Daumenkino heißt Mann
auf seinem Bett (Köln 2020) und zeigt
Bernhard in seinem Lieblingszimmer, umgeben von
den Dingen, die ihm besonders wichtig
waren.
Es stellte sich jedoch heraus, dass es ihm
schwer fiel, der Veröffentlichung des zweiten
Daumenkinos zuzustimmen. Ich ließ ihm und mir
Zeit, wollte nichts erzwingen und hoffte, dass
die Zeit eines Tages reif sein würde, um das
Daumenkino zu zeigen. Regelmäßig sagte Bernhard,
dass die Veröffentlichung prinzipiell absolut in
seinem Sinne sei. Doch jedes Mal, wenn ich ihm
einen Ort für die Premiere des Daumenkinos im
Rahmen eines meiner Bühnenabende vorschlug,
zögerte er.
Als ich im Frühsommer des
letzten Jahres mit Bernhard telefonierte, sagte
er, dass wir jetzt aber wirklich und ganz bald
das Daumenkino herausbringen müssten. Ich
freute mich und beendete das Gespräch in dem
guten Gefühl, dass wir unser Projekt, das wir
vor inzwischen 23 Jahren begonnen hatten, nun
bald in die Welt bringen würden. Vier Wochen
nach diesem Telefonat rief mich ein gemeinsamer
Freund an und fragte mich, ob ich schon gehört
hätte, was passiert sei. Seine Stimme klang
seltsam dünn und mein Herz rutschte mir in die
Hose. Thomas erzählte mir, dass Bernhard am
Abend zuvor in Köln von einer Straßenbahn
erfasst worden war und noch auf der Straße
gestorben sei.
So kam es, dass die immer
wieder vertagte Premiere des zweiten Daumenkinos
schließlich in Bernhards Heimatort in der Nähe
von Köln stattfand. In einer Kirche, unweit
derer er aufgewachsen war, und vor den Augen von
fast 300 Menschen, für die Bernhard nicht
zuletzt durch seine radikale Art zu leben eine
große Bedeutung hatte. Und wieder einmal staunte
ich und staune noch immer, abgesehen vom Schmerz
über den Verlust des Freundes, welch eine
Dramaturgie das Leben hervorbringen
kann: Bernhards Urne stand direkt vor der
Leinwand, auf die seine Daumenkinos projiziert
wurden, und sein Lächeln und seine Emotionen,
die ursprünglich mir und der Kamera gegolten
hatten, wurden zu einem posthumen Gruß an seine
Freundinnen, Freunde, Bekannte und Verwandten,
die teils von sehr weit hergekommen waren, um
ihm ihre letzte Ehre zu erweisen. Und Bernhard
wurde auf seiner Beerdigung in meinen Händen
noch einmal für ein paar Sekunden
lebendig.
Im Januar und Februar
finden zwei Gedenkabende für Bernhard statt, bei
denen neben seinen sehr eigenwilligen und sehr
sehenswerten Kurzfilmen auch seine beiden
Daumenkinos gezeigt werden. Sollte Sie Bernhards
Schaffen und sein Blick auf die Welt
interessieren, dann fühlen Sie sich herzlich
willkommen:
Samstag, 24. Januar, 20
Uhr, Hamburg
B-Movie
Dienstag, 10. Februar 2026, Berlin,
Zeughauskino
19 Uhr: Gesammelte Werke I
(u.a. mit den beiden Daumenkinos)
21:30 Uhr: Gesammelte Werke II
(Kurzfilme von und mit Bernhard Marsch)
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Ich habe es
bereits an dieser Stelle geschrieben und möchte
es aufgrund der sich unerträglichen Lage in Gaza
und der Ukraine nochmals wiederholen: Es
betrübt mich zutiefst, dass keine Ausstellung,
kein Kunstwerk, kein Bühnenabend das Leid der
Menschen in der Ukraine, in Israel, im
Gazastreifen und in anderen Kriegs- und
Krisenregionen zu verhindern oder zu lindern
vermag. Kriege wie wir sie immer noch und immer
wieder erleben müssen, relativieren das eigene Tun
brutal und zeigen, was für ein unglaublicher Luxus
es ist, sich über viele Jahre hinweg dem inneren
Kompass folgend mit dem Medium Daumenkino
auseinandersetzen zu können.
Ich wünsche Ihnen einen
guten Start ins neue Jahr. Vor allem jedoch
wünsche ich, dass den Menschen irgendwann die
Fähigkeit abhandenkommen möge, moralisch in der
Lage zu sein, einander zu töten.
Dennoch: Wie immer in
Vorfreude auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen
und sehr herzlich,
Volker Gerling
P.S. Ich bitte nicht mit
dem Autor Volker Schulz verwechselt zu werden,
der Krimis schreibt, und sich vor etlichen
Jahren den Künstlernamen Volker Gerling zugelegt
hat ;)
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Wenn
Sie regelmäßig über meine Veranstaltungen
informiert werden möchten, schreiben Sie bitte
eine Mail an volker@daumenkinographie.de
mit der Bitte um Aufnahme in meinen Verteiler.
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