Liebe
Freundinnen und Freunde der Daumenkinographie,
unten finden Sie die
Termine der nächsten Daumenkino-Abende. Bitte
fühlen Sie sich sehr herzlich eingeladen!
Wer möchte, kann sich in der ARD
Audiothek ein
Gespräch mit mir anhören, das im November
2025 auf BR2
lief. Wer
laufende
Bilder sehen
möchte, kann
sich hier
einen
vierminütigen
Beitrag ansehen, der im Februar
2026 im NDR zu
sehen war.
BILDER
LERNEN LAUFEN,
INDEM MAN SIE
HERUMTRÄGT
Mittwoch, 29.
April, 20 Uhr,
Berlin
(AUSVERKAUFT)
Theater o.N.
BILDER LERNEN LAUFEN, INDEM MAN
SIE HERUMTRÄGT
Donnerstag,
30. April, 20
Uhr, Berlin
(ZUSATZVERANSTALTUNG)
Theater
o.N.
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Anfang Mai stehen wieder
die Offenen Ateliers in Brandenburg an.
Wie schon in den letzten Jahren zeige ich auch
dieses Mal ca. 30-minütige Ausschnitte aus
dem Daumenkino-Bühnenprogramm:
Samstag, 2. Mai, 15 + 17
Uhr (ich bitte um Anmeldung
per E-Mail wegen begrenzter Plätze)
Sonntag, 3. Mai, 13 + 15
+ 17 Uhr (ich bitte um Anmeldung
per E-Mail wegen begrenzter Plätze)
Zwischen den Vorstellungen
wird Zeit für Gespräche, Daumenkinoblättern und
Getränke sein. Andere Ateliers in Groß Dölln
werden ebenfalls geöffnet sein. Hier finden Sie
mich: Reihenstraße 49, 17268 Templin/Groß
Dölln. Wenn Sie mit öffentlichen
Verkehrsmitteln kommen möchten, fahren Sie mit
der Heidekrautbahn bis Groß Schönebeck und dann
mit dem Bus bis Groß Väter Feriendorf. Dort
steigen Sie in den Groß Väter See und laufen
erfrischt die letzten zwei Kilometer nach Groß
Dölln.
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PORTRAITS IN
MOTION -
DAUMENKINOS
UND
ERZÄHLUNGEN
AUS ISRAEL
Donnerstag und
Freitag, 21. +
22. Mai, 20.15
Uhr,
Baden/Schweiz
Thik Theater im Kornhaus
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IN
MEMORIAM BERNHARD MARSCH (1962 - 2025)
Mitte der 90er Jahre lernte
ich meinen Freund Bernhard kennen. Er war
Cineast mit jeder Faser seines Körpers,
Kurzfilmmacher, Filmclubbetreiber und das, was
man einen Lebenskünstler nennt. Außerdem war er
ein Bewahrer und Sammler von Alltagsdingen, die
anderen unnütz erschienen, für ihn aber durch
die Geschichten, die sie in sich trugen, voller
Bedeutung waren. Er bewohnte zwei übervolle,
gegenüberliegende Wohnungen im ersten Stockwerk
eines Altbaus in Köln-Ehrenfeld. Ein Zimmer, das
er untervermietete, war gerade frei geworden und
ich zog bei ihm ein - zumindest dann, wenn ich
gerade nicht in Berlin war. Ich genoss es
sehr, in meiner Heimat, die ich zwei Jahre
zuvor verlassen hatte, um in Babelsberg Film zu
studieren, an der Seite von Bernhard ein
gänzlich neues und unerwartetes Leben zu führen.
Kurz bevor er wegen einer vorgeschobenen
Eigenbedarfskündigung aus seinen Wohnungen
ausziehen musste, fotografierte ich ihn. Das
Daumenkino heißt Mann in seiner Küche (Köln
2001).
Bernhard fand auf der anderen Rheinseite in
einem ebenfalls unsanierten Altbau mit
Kohlenofen und Toilette auf dem Gang eine neue
Bleibe. Kurz nach seinem Auszug kehrte er noch
einmal zu dem Haus zurück, in dem er die letzten
18 Jahre seines Lebens verbracht hatte. Er
entdeckte, dass eine seiner beiden Wohnungstüren
im Zuge der Renovierung im Container gelandet
war. Bernhard hatte das Bedürfnis, sie vor der
Zerstörung zu bewahren und nahm sie kurzerhand
mit. Aber nicht nur die Dinge, mit denen er sich
umgab, wurden im Laufe der Jahre mehr, sondern
auch die Anzahl seiner Wohnungen. Als ihm gut
anderthalb Jahrzehnte später erneut gekündigt
wurde, war er Mieter von vier Wohnungen mit
insgesamt 12 Zimmern und sieben Kellern, die
sich allesamt in ein und demselben Haus
befanden. Wenige Wochen vor seinem Auszug und
gut 18 Jahre nachdem ich ihn für das erste
Daumenkino fotografiert hatte, fotografierte ich
ihn erneut. Das zweite Daumenkino heißt Mann
auf seinem Bett (Köln 2020) und zeigt
Bernhard in seinem Lieblingszimmer, umgeben von
den Dingen, die ihm besonders wichtig
waren.
Es stellte sich jedoch heraus, dass es ihm
schwer fiel, der Veröffentlichung des zweiten
Daumenkinos zuzustimmen. Ich ließ ihm und mir
Zeit, wollte nichts erzwingen und hoffte, dass
die Zeit eines Tages reif sein würde, um das
Daumenkino zu zeigen. Regelmäßig sagte Bernhard,
dass die Veröffentlichung prinzipiell absolut in
seinem Sinne sei. Doch jedes Mal, wenn ich ihm
einen Ort für die Premiere des Daumenkinos im
Rahmen eines meiner Bühnenabende vorschlug,
zögerte er.
Als ich im Frühsommer des
letzten Jahres mit Bernhard telefonierte, sagte
er, dass wir jetzt aber wirklich und ganz bald
das Daumenkino herausbringen müssten. Ich
freute mich und beendete das Gespräch in dem
guten Gefühl, dass wir unser Projekt, das wir
vor inzwischen 23 Jahren begonnen hatten, nun
bald in die Welt bringen würden. Vier Wochen
nach diesem Telefonat rief mich ein gemeinsamer
Freund an und fragte mich, ob ich schon gehört
hätte, was passiert sei. Seine Stimme klang
seltsam dünn und mein Herz rutschte mir in die
Hose. Thomas erzählte mir, dass Bernhard am
Abend zuvor in Köln von einer Straßenbahn
erfasst worden war und noch auf der Straße
gestorben sei.
So kam es, dass die immer
wieder vertagte Premiere des zweiten Daumenkinos
schließlich in Bernhards Heimatort in der Nähe
von Köln stattfand. In einer Kirche, unweit
derer er aufgewachsen war, und vor den Augen von
fast 300 Menschen, für die Bernhard nicht
zuletzt durch seine radikale Art zu leben eine
große Bedeutung hatte. Und wieder einmal staunte
ich und staune noch immer, abgesehen vom Schmerz
über den Verlust des Freundes, welch eine
Dramaturgie das Leben hervorbringen
kann: Bernhards Urne stand direkt vor der
Leinwand, auf die seine Daumenkinos projiziert
wurden, und sein Lächeln und seine Emotionen,
die ursprünglich mir und der Kamera gegolten
hatten, wurden zu einem posthumen Gruß an seine
Freundinnen, Freunde, Bekannte und Verwandten,
die teils von sehr weit hergekommen waren, um
ihm ihre letzte Ehre zu erweisen. Und Bernhard
wurde auf seiner Beerdigung in meinen Händen
noch einmal für ein paar Sekunden lebendig.
Standbild
aus dem
Daumenkino
"Mann in
seiner Küche",
Köln, 2001
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Ich habe es
bereits an dieser Stelle geschrieben und möchte
es aufgrund der sich unerträglichen Lage in
Gaza, der Ukraine und im Iran nochmals
wiederholen: Es betrübt mich zutiefst,
dass keine Ausstellung, kein Kunstwerk, kein
Bühnenabend das Leid der Menschen in der Ukraine,
in Israel, im Gazastreifen, im Iran und in anderen
Kriegs- und Krisenregionen zu verhindern oder zu
lindern vermag. Kriege wie wir sie immer noch und
immer wieder erleben müssen, relativieren das
eigene Tun brutal und zeigen, was für ein
unglaublicher Luxus es ist, sich über viele Jahre
hinweg dem inneren Kompass folgend mit dem Medium
Daumenkino auseinandersetzen zu können.
Ich wünsche Ihnen ein
schönes Frühjahr. Vor allem jedoch wünsche ich,
dass den Menschen irgendwann die Fähigkeit
abhandenkommen möge, moralisch in der Lage zu
sein, einander zu töten.
Dennoch: Wie immer in
Vorfreude auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen
und sehr herzlich,
Volker Gerling
P.S. Ich bitte nicht mit
dem Autor Volker Schulz verwechselt zu werden,
der Krimis schreibt, und sich vor etlichen
Jahren - warum auch immer - den Künstlernamen
Volker Gerling zugelegt hat.
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Sie regelmäßig über meine Veranstaltungen
informiert werden möchten, schreiben Sie bitte
eine Mail an volker@daumenkinographie.de
mit der Bitte um Aufnahme in meinen Verteiler.
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